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Nachhaltiges Trägermodell für die katholischen Schulen in Hamburg

Selbstmord auf Raten aus Angst vorm Tod? Das katholische Schulsystem schafft sich ab.

Man muss den Eindruck gewinnen, dass das Erzbistum Hamburg aus den eklatanten Fehlern der Vergangenheit nicht lernen will.


Auf der Sondersitzung des Ausschusses für Soziales, Bildung und Integration am 6.2.2018 zur Drucksache 20-3443 (Zur Zukunft der Einrichtungen der katholischen Kirche in Harburg) referierten Ansgar Thim (seit 2013 Generalvikar im Erzbistum Hamburg) und Dr. Anne Hutmacher (Leitung Schulaufsicht und schulfachliche Beratung) über die Planungen zu den katholischen Schulen in Hamburg.

Vergesellschaftung der Kosten?

Tenor war, dass die Schließung von fünf Schulen und die sofortige Aussetzung von Neuaufnahmen unumstößlich sei. Ferner, dass drei weitere Schulen zwar noch in dieser Anmelderunde neue Schülerinnen und Schüler aufnehmen, jedoch nur dann auch in einem Jahr weitergeführt werden, falls Dritte gewonnen werden können, die die Investitionslücken schließen. Dabei soll die Trägerschaft durch das Erzbistum beibehalten werden. Dies klingt nach einem „weiter so“ mit fremdem Geld. Das ist die Vergesellschaftung der Kosten ohne Teilung oder Abgabe der Steuerungsverantwortung.

Das würde jedoch nichts daran ändern, dass das Erzbistum und vordem der damalige katholische Schulverband seinen Fürsorgepflichten zur Bildung von Pensionsrückstellungen nicht nachgekommen sind. Diese Verpflichtungen bestehen weiter und die daraus resultierende Belastung kann auch durch Schulschließungen nicht vermieden werden. Auch die einseitige Interpretation zu der Höhe und Angemessenheit der Zuwendungen seitens der Freien und Hansestadt Hamburg müssen als Versuch verstanden werden, von der eigenen Verantwortung für die finanzielle Misere abzulenken. Aufnahmestopps reduzieren nicht die Kosten aber sie reduzieren die Erlöse.

Katholische Schulen in Hamburg – Gesamtsystem mit innovativem Trägermodell erhalten

Ohne eine grundlegende Umsteuerung und Neuaufstellung ist zu befürchten, dass es in wenigen Jahren die nächsten Standorte treffen wird. Ob das durch das Erzbistum Hamburg geleistet werden kann, erscheint nach der Sitzung fraglicher als vorher.
Wer derart die Axt an das katholische Schulsystem in Hamburg legt, nimmt den Rückzug der ehrenamtlichen Gemeindearbeit durch Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schüler billigend in Kauf. Und sägt damit auch an dem Ast, auf dem er sitzt.

Vergesellschaftung der Verantwortung!

Mit der Initiative ‚Hamburger Schulgenossenschaft‘ formiert sich ein gesellschaftliches Bündnis zur Fortführung des Gesamtsystems der katholischen Schulen in Hamburg. Der breite Konsens zum Erhalt und die gesellschaftliche Verankerung der Initiatoren bieten neue Chancen für alle 21 katholischen Schulen in Hamburg. Im Gegensatz zum Erzbistum Hamburg würde nicht die Schließung aller Standorte in Harburg das Konzept dominieren, sondern vielmehr ein Prinzip der Solidarität zwischen den Schulen untereinander und der Hamburgerinnen und Hamburger mit dem Gesamtsystem der katholischen Schulen in Hamburg.

Liegenschaften als Sondervermögen

Warum nicht auch von Hamburg lernen und das System handlungsfähig gestalten? Die Liegenschaften können in ein Sondervermögen übertragen werden. Mit den entsprechenden dinglichen Sicherheiten wäre eine Vermögensverwaltung zur Sanierung und auch Erweiterung denkbar, die analog zum Hamburger Vermieter-Mieter-Modell für die Gebäude zuständig ist und diese an den Schulträger vermietet.

Beschäftigungssicherung

Die im Kirchendienst verbeamteten Lehrerinnen und Lehrer könnten bis zu ihrer Pensionierung über Regelungen der Mitarbeiterüberlassung an den Träger ‚verliehen‘ werden. Aus den laufenden beamtenrechtlichen Verpflichtungen kommt das Erzbistum sowieso nicht raus und eine sinnvolle Weiterbeschäftigung gegen zumindest teilweiser Kostenübernahme kann man als win-win-Situation werten.

Bestandsgarantie „light“ am Niels-Stensen-Gymnasium

Besonders betroffen machte jedoch die Aussage, dass die Garantie zur Beendigung der Schullaufbahn nur für den ersten erreichbaren Schulabschluss gelten solle. Wer jetzt oder in den vergangenen Jahren seine Kinder am Niels-Stensen-Gymnasium eingeschult hat, kann sich dann nach der zehnten Klasse eine andere Schule suchen, sofern es Abitur machen möchte – eine Annahme, die bei einer Anmeldung am Gymnasium naheliegend ist. Sogar eine mögliche Fortsetzung an der Sophie-Barat-Schule oder der Sankt-Ansgar-Schule kann nicht garantiert werden. Lediglich für die Jahrgänge, die direkt vor der Oberstufe stehen, wird eine Garantie gewährt. Das ist eindeutig zu wenig. Wir fordern das Erzbistum Hamburg auf, allen Schülerinnen und Schülern, die am Niels-Stensen-Gymnasium eingeschult sind, den Weg am Niels-Stensen-Gymnasium bis zu ihrem endgültig angestrebten Abschluss – also auch dem Abitur – zu garantieren.

Die Politik in’s Boot holen, wenn es sinkt

Wenn Generalvikar Thim sagt, er wolle die Politik in’s Boot holen, so verkennt er die Lage. Das Boot ist Leck geschlagen und gehört in die Werft zur Reparatur. Mit Loch im Boden und dem alten Kapitän weiterrudern führt zum Untergang des gesamten katholischen Schulsystems. Hier ist sicher eine Agilität erforderlich, die das Erzbistum missen lässt. Seit 2013 ist Thim in der Verantwortung. Seit Jahren und Jahrzehnten ist die falsche Steuerung des Systems offensichtlich – ohne dass sich etwas geändert hätte. Soviel Glauben aufzubringen, dass sich künftig etwas ändert, fällt schwer.
Das Problem liegt sicherlich nicht in der pädagogischen Qualität der katholischen Schulen. Diese ist unbestritten. Allerdings liegt das Problem in der ökonomischen Qualität des Steuerungssystems. Dieser Systemfehler muss behoben werden.

Jürgen Heimath Claudia Loss
Fraktionsvorsitzender Stellvertr. Fraktionsvorsitzende
07.02.2018

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